Ich in akustisch - 10 Alben und Songs, die mein Leben beeinflusst haben.

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Seit ein paar Tagen wird eine neue Sau durch's Facebook-Dorf getrieben und da es dabei, mal wieder, um Musik geht, bin ich mehr als nur bereit mitzumachen. Worum geht es konkret? - Ich wurde von Henrik in einem Beitrag getaggt, in welchem er die 10 Alben (Musik, nicht Fotos!) vorstellt, welche ihn in seiner bisherigen Lebenszeit am meisten beeinflusst haben. Selbiger Aufgabe sehe ich mich nun als Getaggter ebenfalls ausgesetzt. Und eigentlich sollte es keine zu schwierige Aufgabe sein, habe ich doch in meinem Leben schon mehrere Tausend Stunden mit Musik und hunderten von Künstlern und Bands verbracht. Allerdings liegt hierbei auch das Problem. Es ist schlicht unmöglich zu sagen, welche Alben den meisten Einfluss auf mich gehabt haben. Es sind einfach zu viele. Daher habe ich mich entschlossen, das Ganze ein klein wenig abzuwandeln. Ich nehme einfach noch die Komponente "Zeit" mit hinzu. Dadurch stellt die Auswahl der Songs auch eine Art Zeitstrahl meines Musikgeschmacks dar.

Anfangen möchte ich daher auch bei der ersten Band, bzw. der ersten Art von Musik überhaupt, die ich bewusst wahrgenommen habe, so dass ich mich auch heute noch an sie erinnern kann.

  • The Carpenters - Top Of The World (vom Album "A Song For You", 1972)

Ich hatte damals absolut keine Ahnung wen oder was ich da gehört habe. So ich mich richtig erinnern kann, liefen die Carpenters bei meinen Eltern auch noch auf Tonbändern und nicht nur Schallplatten. Ich kann heute auch gar nicht mehr wirklichs agen was genau mich so an dieser Musik fasziniert hat. Vielleicht waren es die Melodien oder aber Karen Carpenters unvergleichliche Stimme. Heute höre ich diese eigentlich gar nicht mehr, aber wann immer ich darüber stolpere und/oder nachdenke muss ich lächeln.

Ein paar Jahre später hielten auch bei uns im Haushalt die legitimen Nachfolger von ABBA Einzug.

  • Roxette - The Look (vom Album "Look Sharp", 1988)

Ich denke, damals™ kam niemand wirklich um die beiden Schweden herum, und in gewisser Hinsicht bin ich meinen Eltern auch dankbar. Roxette war meine erste bewusst wahrgenommene Berührung mit verzerrten Stromgitarren. Dazu die poppige Melodien und Gesangslinien, fertig war das erste musikalische Ausrufezeichen in meinem Leben.

Die Lebensjahre 11 bis 14 sollten sich dann rückblickend als eindeutig prägend erweisen. Hierbei spielte Kommissar Zufall allerdings auch eine nicht unerhebliche Rolle. Als Fussballfan war es für mich damals selbstverstädnlich, Samstags ab 15 Uhr die Sportzeit auf WDR 2 im Radio zu hören, und wie schon mein Großvater es getan hat, der Liveberichterstattung von den Samstagsspielen der Fussball-Bundesliga zuzuhören. Hierbei ergab es sich, dass ich eines Samstags einmal nichts zu tun hatte, es schon früh Mittagessen gab und ich so das Radio bereits um 12 Uhr einschalten konnte. Es lief die Schlagerrallye mit Wolfgang Roth am Mikro ("Der schöööönste Mann auf WEEEDEEEEE EEERRRRR ZWAAAAAHAAIIII...uuuuuhhhhh Wolfgang Rooooth!" - Ich liebe diesen Jingle noch heute. Verdammter Ohrwurm, dreckiger!! xD ). Trotz des heute wie damals eher abschreckenden Namens der Sendung hatte sie bereits nach der ersten Sendung einen neuen Fan in mir gefunden. Denn anstatt mit Schlagern zu nerven, wurde feinste Pop- und Rock-Musik kredenzt. Hier reihten sich die Songs von PUR neben Mike Oldfield, Roxette und Metallica ein. Und genau dieser Mix war rückblickend so unglaublich wertvoll für mich, da ich mit sehr viel verschiedener Musik in berührung gekommen bin, so auch mit den folgenden zwei Bands.

  • Status Quo - Whatever You Want (vom Album "Live Alive Quo", 1992)

Status Quo wurden dank der Schlagerrallye meine erste Lieblingsband. Auch wegen ihrer Songs saß ich jeden Samstag vor dem Cassettenradio und habe mit zitternden Fingern über der Record-Taste gehovert, um auch ja nicht den Songanfang oder das Songende zu verpassen. Gott was habe ich es gehasst, wenn Wolle Roth mal wieder in's Ende des Songs gequatscht hat. Aaaaber egal, da ich im Fall von Status Quo auch auf eine CD (meine allererste, ein Geburtstagsgeschenk 1992, inklusive Sony CD-Player) zurückgreifen konnte. Diese CD war "Live Alive Quo" und ich kann mich noch heute daran erinnern, wie ich sie nächtelang unter Kopfhörern immer und immer wieder auf Repeat gehört habe. Es war auf eionmal so einfach. Songs skippen, zu einem Solo oder einer anderen coolen Stelle innerhalb eines Songs "spulen". Ich habe es geliebt! Sowohl das Album, als auch die Technik. Und wenn auch drehende Plastikscheiben schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr zu meinem Inventar gehören, so sind Status Quo geblieben, und ich liebe sie noch heute. Simple, erdige Rockmusik die einfach Spaß macht.

  • Axxis - Better World / Living In The Dark (vom Album "The Big Thrill", 1993)

Auf Axxis bin ich ebenfalls durch die Schlagerrallye gestoßen. Sie waren so etwas wie die Lokalmatadoren des Sektors und wurden dementsprechend gefeiert und regelmäßig auf höchste Positionen in den wöchentlichen Charts gewählt. Und das mit vollem Recht! Axxis waren meine erste Berührung mit härterer Gitarrenmusik und ich glaube, sie haben meine Vorliebe für eher außergewöhnliche Stimmen und Sänger eindeutig mitgeprägt. Wer Bernhard Weiss liebt, wird auch keine Probleme mit Geddy Lee und Rush haben. ;-)

  • Billy Joel - The Downeaster Alexa (vom Album "Storm Front", 1989)

Auch wenn ich vor allem durch Axxis immer mehr der härteren Spielart von Stromgitarrenmusik zugetan war, so behielt ich dennoch auch ein offenes Ohr für andere Musikrichtungen. Und gut gemachte Popmusik war auch weiterhin musikalisch interessant und emotional berührend für mich. "The Downeaster Alexa" ist so ein Beispiel dafür. Ein Monument von Song, unglaubliche Melodien, eine sehr geschmack- und stimmungsvolle Instrumentierung, die erzählte Geschichte weiß auch zu berühren und Billy Joels Stimme war und ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Auch wen mein erstes Album von ihm nicht "Storm Front", sondern das 1993 erschienene "River Of Drerams" ist, so hat mich vor allem dieser Song und das dazugehörige Album extrem begeistert und geprägt.

And now for something completely different.

  • Guns N' Roses - Breakdown (vom Album "Use Your Illusion II", 1992)

Na ja, so vollkommen neu sind Guns N' Roses jetzt nicht, da ich ja bereits weiter oben meine Vorliebe für extreme Stimmen und Sängerpersönlichkeiten kundgetan habe. Unter diesem Aspekt war es eigentlich auch irgendwie abzusehen, dass Guns N' Roses genau meinen Geschmack treffen würden. Was sie dann, vor allem mit dem Album "Use Your Illusion II" auch getan haben. Mein Musikgeschmack wurde um eine gewisse Räudigkeit erweitert, welche sich ausgesprochen gut als Ergänzung zur anspruchsvollen Popmusik und der gewissen Hochglanzpolitur von Axxis' Hardrock machte. Darüber hinaus habe ich damals festgestellt, dass ich den Klang eines Pianos zu harten Gitarren liebe. Sehr gut zu hören im oben verlinkten Song, welcher zwar zu den eher unbekannteren des Albums und der Band zählt, für mich aber klar ein Highlight ist.

Die dunklen Jahre (1994-1996/97)

Tja...was soll ich sagen...die Jahre zwischen 1994 und 1996/97 waren musikalisch gesehen irgendwie Verschwendung. Zumindest im Rückblick. Ich hörte auf einmal komische Sachen wie Green Day, Bush oder Dog Eat Dog. Keine Ahnung was mich damals dazu trieb. Heute gibt mir diese Musik nichts mehr, und bewirkt maximal noch ein müdes Lächeln wenn ich mich daran zurück erinnere. Aber vielleicht war es auch notwendig, um mir zu zeigen woran mein Herz wirklich hing. 1996 fing ich auch selbst mit dem Gitarre spielen an, was in den kommenden 3-4 Jahren meine sozialen Kontakte weitgehend einschränken sollte. Es gab die Schule, danach ab und an Hausaufgaben (falls Lust vorhanden) und ansonsten 4-7 Stunden am Tag nur mich, meine Gitarre und Musik aus der Stereoanlage, zu welcher ich jammte und mitspielte. Meine einzige andere Freizeitbetätigung zur damaligen Zeit war das Pen&Paper Rollenspiel (vor allem DSA, aber auch Shadowrun oder Star Wars), welches sowohl Schuld daran war, dass ich selbst eine Gitarre in die Hand genommen habe als auch dass sich mein Musikgeschmack wieder weiterentwickelte. Während einer Rollenspielsession wurde Manowar als Hintergrundmusik zum Besten gegeben, und irgendwie war ich sofort gefesselt. DAS war genau der Sound, den ich hören wollte, und es war cool und nerdig genug, dass es mich dazu verleitet hat, selbst Gitarre spielen zu wollen. Zwischen '97 und '98 entdeckte ich unzählige "neue" Bands für mich, darunter auch die nun folgende.

  • Blind Guardian - The Curse Of Feanor (vom Album "Nightfall In Middle-Eart", 1998)

Waren Manowar meine erste Berührung mit der Musik, die mich und mein Leben bis heute geprägt hat, so waren Blind Guardian meine erste große Liebe in diesem Genre. Mein erstes Album von ihnen war die "Imaginations From The Other Side", welche mich damals™ vollkommen weggeblasen hat. Komplex, melodisch, bombastisch und mit einer amtlichen Produktion und Härte ausgestattet, war das Album für mich DER Moment, an dem ich wusste was "meine" Musik ist und sein wird. Und trotzdem ist "Imaginations..." für mich nicht das wichtigste der Band und zu dieser Zeit. Das ist nämlich der Nachfolger, "Nightfall in Middle-Earth". Noch komplexer, noch orchestraler, das Silmarillion-Konzept, no fillers - just killers. Dieses Album hat alles was später noch musikalisch auf mich zukommen sollte entscheidend beeinflusst und wird für mich immer in besonderer Erinnerung bleiben. Der Sog "MIrror, Mirror" und das oben im Video verlinkte "The Curse Of Feanor" waren die ersten beiden Stücke, die ich ein paar Stunden nach dem Tod meines Vaters im Mai 1999 in einem ruhigen Moment gehört habe. Ich griff ohne nachzudenken einfach in mein CD-Regal und unterbewusst war mir glaub ich klar, dass es nur dieses eine Album sein könne, was ich hören wollte.

  • In Flames - Embody The Invisible (vom Album "Colony", 1999)

Parallel zu meiner sich entwickelnden Vorliebe für melodischen Power Metal wurde ich durch das Rock Hard und die Dynamit!-CD-Beilagen immer mal wieder auch auf andere Genres, Spielarten und Geschmacksrichtungen aufmerksam, so unter anderem auch auf den, inzwischen von mir heissgeliebten, Ikea-Death. Der erste Song der mir diesbezüglich positiv auffiel war "Jotun" vom Vorgänger-Album "Whoracle", welches dann auch mein erstes Melo-Death Album werden sollte. So richtig gepackt hatte mich dann aber der Nachfolger, "Colony", von welchem ich den Opener oben verlinkt habe. Ich denke dass es vor allem der Gegensatz von den Growls, der rauen Produktion und den vielen Melodien ist, welcher mich so fasziniert hat und auch heute noch dazu führt, dass mich Musik, welche extreme Gegensätze in sich vereint, auch heute noch am stärksten anspricht.

  • Dream Theater - Overture 1928 (vom Album "Metropolis Part 2 - Scenes From A Memory, 1999)

Zu den Herren aus Long Island brauch ich glaube ich keine Worte mehr verlieren. DIE Band aller Bands, instrumentale Perfektion trifft auf komplett außerirdisches Songwriting (zumindest bis einschließlich des oben vorgestellten Albums) und vollkommen kranke Rhythmen. Für mich Teil der musikalischen Definition von Perfektion. Ich habe diese Art von Musik zum ersten Mal bei meinem damaligen Schlagzeuger Robert im Auto gehört und war vollkommen hin und weg. Mir war zwar sehr schnell klar, dass ich niemals so perfekt die Axt bedienen könnte wie Petrucci, aber er wurde trotzdem so etwas wie mein erstes Gitarren-Idol, und auch er war es Schuld, dass meine sozialen Kontakte ein wenig unter der Übungswut zu leiden hatten.

  • Protest The Hero - Bloodmeat (vom Album "Fortress", 2008)


    Die neuste meiner wegweisenden Entdeckungen und irgendwie auch einfach nur logisch, dass mich diese junge, kanadische Band so begeistert. Hier wird quasi alles vereint, was ich in der Musik liebe: Die Härte und Growls von Death Metal, die extrem technischen Aspekte, komplexe Rhythmen und Strukturen vom Prog, die Melodien und Harmonien des Power Metals und eine gute Portion Räudigkeit gepaart mit einem unglaublichen Gespür für gute Songs die einfach nur funktionieren, wie ich sie seit den besten Tagen der Gunners nicht mehr erlebt habe. Für mich sind Protest The Hero die Wegweiser in meine musikalische Zukunft und ich bin sehr gespannt, welche Stile, Bands, Alben und Songs sich hier in 10 Jahren ergänzen lassen.

Jan

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Krefeld, Germany http://spuren-von-leben.de

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