2014 - Es sieht düster aus.

Unter dieser Überschrift möchte ich einen kurzen Überblick über mein musikalisches Jahr 2014 geben. Und man könnte jetzt vermuten, dass dieser Rückblick kein besonders gutes Licht auf die Veröffentlichungen dieses Jahres werfen wird, welche zuvor in der Lage waren bei mir einen Kaufreiz auszulösen. Dies ist allerdings keineswegs der Fall. Im Gegenteil: Das Jahr 2014 war musikalisch gesehen eines der stärksten in diesem Jahrzehnt, Jahrhundert und sogar Jahrtausend. Was zugegebenermaßen auch noch nicht sonderlich schwierig ist. ;)
Ich habe diese Überschrift allerdings bewusst aus einem anderen, inhaltlichen Grund gewählt. Denn irgendwie, so ist zumindest mein Eindruck, haben eine Menge Bands und Künstler dieses Jahr das Ende der Welt besungen. Was jetzt für Künstler im Allgemeinen und solche, die sich im weiteren Genre "Metal" bewegen, im Speziellen nichts ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich finde ich nur die Art, auf welcher die Erde und Menscheit untergehen sollen. Die hier in diesem Jahr bevorzugt herausgestellte Methode ist nämlich die des Sterbens der Sonne. Was physikalisch gesehen in ein paar Milliarden Jahren auch absolut korrekt ist. Aber warum gerade jetzt dieses Thema? Und warum so viele auf einmal? Wissen die etwas, was wir nicht wissen? * aktexmelodiepfeift *

Eine Kostprobe gefällig? Bitte sehr:

  • "Sundown" von Descend
  • "The Sun Is Dead" von Dragonforce
  • Insomnium nennen ihr Album "Shadows Of The Dying Sun"
  • Sanctuary nennen nicht nur einen Song "The Year The Sun Died" sondern auch gleich ihr ganzes Comeback-Album so.
  • While Heaven Wept widmen ihr neues Konzeptalbum "Suspended At Aphelion" dem Thema "Ikarus". Merkt ihr was?! Dazu kommt noch, dass "Aphelion" den Punkt bezeichnet, an welchem die Erde (oder jeder andere Planet) auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne am weitesten entfernt von selbiger ist.

Alles und jeder stirbt durch die Sonne, oder selbige geht den Weg alles Kosmischen höchstselbst. Und das wird gehäuft thematisiert. Hat eigentlich irgend ein Prophet für die nächsten Monate mal wieder den Weltuntergang angekündigt? * aluhutzurechtrückt*

Egal, zurück zum Thema Musik. Hier ist sie nun, die vollständige, in Übereinstimmung mit der Prophezeihung einzig gültige Liste der besten Alben und Songs 2014.

music_in_2014

Amaranthe - Massive Addictive

2 von 10 Punkten
War das Debüt noch die perfekte skandinavische Pop-Metal-Mischung, so war bereits der Nachfolger zu süß, zu klebrig, zu elektronisch. Das in diesem Jahr veröffentlichte, dritte Album erhält von mir nur noch einen Punkt für seine allgemeine Existenz und einen zweiten für die grunsätzliche Verwendung von Gitarren, Schlagzeug, Bass und dezenten Growls beim Erschaffen des Machwerks. Über den Rest breite sich lieber schnell der ewige Schlaf des Vergessens.

Axxis - Kingdom Of The Night II

5 von 10 Punkten
Eine meiner meistgeliebten, musikalischen Kindheitserinnerungen veröffentlicht ein Doppelalbum in Anlehnung an das legendäre Debut. Altbekannte Riffs und Melodien gekonnt recycled und in neue Songs gegossen. Dazu Bernhard Weiss, den ich als Sänger immer noch sehr verehre. Handwerklich und produktionstechnisch ist hier alles im grünen Bereich. Ein Hard Rock/Melodic Metal Doppelalbum, welches zwar nostalgische Gefühle in mir weckt, mir aber ebenso im selben Atemzug daran erinnert, dass dies heutzutage nicht mehr wirklich meine Musik ist.

Carcass - Surgical Remission (EP)

5 von 10 Punkten
Ein kleiner Nachschlag zum letztjährigen Album "Surgical Steel", welches ich nachwievor extrem zu schätzen weiss. Diese Veröffentlichung besteht jetzt aus übrig gebliebenen Songs aus den "Surgical Steel" Sessions. Also einfach mehr vom Gleichen (wer Carcass nicht kennt: legendärer, britischer Death/Crust mit extrem geiler Gitarrenarbeit). Kann man haben, muss man aber nicht, da die stärksten Stücke aus dieser Phase bereits mit dem Album veröffentlicht wurden.

Descend - Wither

5 von 10 Punkten
Komplexer Death Metal mit Atmosphäre. Erinnert ein wenig an die alten Opeth Alben, wenn auch mit deutlich weniger, weil nicht vorhandenden, Keyboards oder Hammonds. Ein weiteres Album für die "Spül- und Bügel" Kategorie. Nicht wirklich schlecht, in der richtigen Stimmung auch sehr gut hörbar, handwerklich perfekt, mit einer tollen Produktion. Alleine die großen Momente, Melodien und Gefühle fehlen. Daher gibt es hier und an dieser Stelle nur eine Durchschnittswertung von mir, welche je nach Stimmung locker 2 Punkte höher oder tiefer ausfallen kann. Irgendwie ein komisches Album...

Devin Townsend - Z², Sky Blue

8 von 10 Punkten
Die "normale" Seite von Devins neuem Doppelalbum. Ein "Devin Townsend Project" Album, welches nicht selten an seine Glanztaten wie "Ocean Machine" oder "Terria" erinnert. Instrumental und produktionstechnisch wird hier natürlich wieder Devins Breitwandsound zelebriert, beim Gesang hätte ich mir gewünscht, dass der eine oder andere Song ohne die Beteiligung von Anneke van Giersbergen ausgekommen wäre. Nicht dass ich ihre Stimme nicht mag, ganz im Gegenteil! Aber sie ist mir gefühlt ein wenig zu präsent und Devin selbst ja ebenfalls ein begnadeter Sänger. Vielleicht ja beim nächsten Mal wieder. :) Ich kann trotzdem nicht umhin, als dieses Album ganz weit vorne in der Diskographie des positiv bekloppten Kanadiers einzuordnen.

Devin Townsend - Z², Dark Matters

8 von 10 Punkten
Ein vollkommen durchgeknalltes Prog Metal meets Andrew Lloyd Webber Muscial mit einem grandiosen Chris Jericho als Captain Spectacular. Falls man mit dem schrägen Humor des Kanadiers etwas anfangen kann, dann ist das zweite Ziltoid Album feinstes Blockbusterkino für die Ohren. Rein musikalisch gesehen ist es zwar recht häufig Stückwerk, was allerdings meiner Meinung nach dem Genre "Musical" an sich geschuldet ist. Trotzdem gibt es hier an allen Ecken und Enden kleine musikalische, textliche oder melodische Spielereien zu entdecken und jeder der sich auf das Album einlassen kann und vor allem will, der wird hier sehr fein unterhalten. Ich mag es.

Dragonforce - Maximum Overload

9 von 10 Punkten
Hochmelodischer High-Speed Power Metal von der Insel a.k.a. Großbritannien. Wobei die Herren auf diesem, ihrem sechsten Studioalbum nicht mehr nur auf Höchstgeschwindigkeiten in ihren Songs setzen, was diesen durchaus zugute kommt. Die Kompositionen wirken allgemein erwachsener und gereifter, was sich nicht nur an der allgemeinen Geschwindigkeit sondern vor allem auch an den Arrangements festmachen lässt. Hier ein kleines Leadbreak, da mal ein paar Akustikgitarren, der inzwischen nicht mehr ganz so neue Sänger Marc Hudson, welcher sich noch einmal deutlich gesteigert hat im Vergleich zum Vorgänger: All diese Komponenten machen aus "Maximum Overload" ein wirklich hervorragendes Power Metal Album und das Beste der Bandgeschichte. Definitiv das zweitstärkste Album im Jahr 2014.

Enchant - The Great Divide

8 von 10 Punkten
Dies ist vielleicht so etwas wie die Überraschung des Jahres. 11 Jahre nach ihrem letzten Album "Tug Of War", versuchen Enchant so etwas wie ein Comeback (offiziell wurde die Band allerdings nie aufgelöst). Was ist neu? Was ist anders? - Alles in allem nicht viel. Enchant stehen nachwievor für melodischen AOR mit deutlichem Prog-Einschlag. Der an einigen Stellen hörbare Zugewinn an Härte mag objektiv von der Band so gewollt worden sein, kann aber auch der deutlich druckvolleren Produktion geschuldet sein, vergleicht man "The Great Divide" mit den Vorgängeralben. Diese sind aber halt auch alle schon mehr als eine dekade alt, und da können Fortschritte in der Produktionstechnik durchaus auch schon mal zu einer verwaschenen Einordnung des Sounds führen. So oder so: Das Plus an Härte steht den Herren sehr gut zu Gesicht, und Ted Leonard hat immer noch eine unfassbar grandiose Stimme. Doch, ich bin froh dass es das Album gibt und bin gespannt, was die Band in den nächsten Jahren noch so alles folgen lässt. Welcome back. Gentlemen.

Epica - The Quantum Enigma

4 von 10 Punkten
Handwerklich und produktionstechnisch sehr gut gemachter Symphonic Metal mit Simone Simons' engelsgleicher Stimme veredelt. Warum nur 4 Punkte? Es ist einfach nicht mehr meine Art von Musik. Ich merke immer mehr, dass ich Metal plus Orchester plus weiblichen Gesang einfach nicht mehr anziehend finde. Daher kann und möchte ich auch nicht auf die Musik oder Songs im Einzelnen eingehen. Fans des Genres können hier locker noch 3-4 Punkte draufrechnen, denn innerhalb ihres Genres sind Epica definitiv mit das Beste weltweit. Leider sind mein Geschmack und ich zu neuen Ufern aufgebrochen, und ich fürchte, dass dies bereits gute zehn Jahre der Fall ist. Ich realisiere es nur zu langsam. Aber ich bin auch alt, ich darf das. ;-)

Evergrey - Hymns For The Broken

8,5 von 10 Punkten
Nach den bereits oben genannten Enchant ist "Hymns for The Broken" das zweite Comeback-Album des Jahres 2014. Obwohl auch Evergrey niemals aufgelöst waren (das letzte Album "Glorious Collision" wurde 2011 veröffentlicht) ist es doch eine Art Comeback, da mit Gitarrist Henrik Danhage und Schlagzeuger Jonas Ekdahl zwei Mitglieder zur Band zurückkehrten, die maßgeblichen Anteil am Sound und Songwriting der Alben von 2003 bis 2008 hatten, welche allgemein als die Hochphase der Band angesehen wird. Ihre Rückkehr scheint auch eine Art Frischzellenkur für die Band gewesen zu sein, denn selten klangen Evergrey so spannend und intensiv wie auf diesem Album. Natürlich bekommt der Hörer nichts weltbewegend Neues vorgesetzt und Evergrey spielen immer noch ihren leicht progressiv angehauchten, melancholischen Power Metal. Man merkt nur, was eine gute Bandchemie und ein daraus resultierendes, spannendes Songwriting alles ausmachen kann. In diesem Fall ein klasse Album und ganz klar eines der Highlights in 2014 für mich.

Falconer - Black Moon Rising

7 von 10 Punkten
Falconers Version von Power Metal mit starken Folk-Einschlägen geht in die nächste Runde. Diesmal mit weniger Folk, dafür wesentlich mehr Härte. An nicht wenigen Stellen erinnert dieses Album, dank Blastbeats und Stakkato-Riffs, an den direkten Falconer-Vorgänger Mithotyn mit ihrem Pagan/Folk Black Metal, was ich prinzipiell sehr gut und begrüßenswert finde. Natürlich ist die Stimme von Sänger Mattias Blad noch immer eine absolute Ausnahmeerscheinung in der gesamten Metalszene und weit ab davon entfernt, an das Kreischen, Grugeln und Röcheln eines Black Metal Fronters zu erinnern, aber das Plus an Härte tut der Band hörbar gut. Falconer klingen 2014 frischer denn je zuvor (vielleicht abgesehen vom legendären Debut) und haben es meiner Meinung nach erfolgreich geschafft, ihrem Sound neue, interessante Dimensionen zu verpassen.

Freak Kitchen - Cooking With Pagans

8 von 10 Punkten
Auch das sympathisch-wahnsinnige Schwedentrio um Mattias IA Eklundh beehrt uns mit einem neuen Album. Vieles bleibt dabei gleich: der komplexe und zugleich eingängige, leicht angejazzte Sound der Band, die recht skurillen Themen und Texte der Songs ("(Saving up for an) Anal Bleach" anyone!?? ;-) ), Mattias brilliantes Gitarrenspiel, welches wieder einmal mit so noch nie gehörten Effekten und Melodieführungen aufwartet, sowie seiner angenehm warmen und recht einzigartigen Stimme. Auf "Cooking With Pagans" geling es den drei Herren allerdings erstmalig, mich wirklich über die komplette Albumlänge zu fesseln. Früher waren es oft ZU abgedrehte Ideen und Songs, welche mir den Genuss eines Albums in voller Länge ein wenig verhagelt haben. Cooking with Pagans kann hier über die gesamte Länge überzeugen und ich habe das Gefühl, dass ich die Jungs unbedingt noch einmal live sehen muss!

Gamma Ray - Empire Of The Undead

6,5 von 10 Punkten
Mal wieder ein Gamma Ray Album. Und mal wieder mehr vom gleichen. Was bei den Hamburgern melodischer Power Metal bedeutet, leider seit Jahren aber eher in der Mid-Tempo/Judas Priest/Accept Schiene, und nur noch selten mit durchgedrücktem Gaspedal. Natürlich ist das Album wie immer handwerklich über jeden Zweifel erhaben, und hat mit dem Opener "Avalon" sogar ein wirkliches Highlight des Jahres und einen legitimen Nachfolger von "Rebellion In Dreamland" zu bieten. Aber das allein ist für mich leider viel zu wenig, um mich noch wirklich begeistern zu können. Dafür hat sich mein persönlicher Geschmack dann doch zu sehr gewandelt. Objektiv ein gutes Album, für mich aber nur gehobener Durchschnitt.

Ghost Brigade - One With The Storm

6,5 von 10 Punkten
Ein komisches Album. Also, nicht im "HA, HA!!!" komischen Sinn, sondern eher im "Ich hab keine Ahnung wohin die Band mit diesem Album hin wollte" Sinn. "One With The Storm" ist eine Mischung aus Dark/Gothic Rock, Post Rock, Melodic Death Metal und wasweissichnichtnochfüralles. In der einen Sekunde denkst du an Insomnium oder Omnium Gatherum, dann wieder an neue Amorphis, als nächstes folgen Opeth, dann wieder an neue In Flames...eine sehr komische Mischung. Weniger wäre hier meiner Meinung nach mehr gewesen. Daher kann ich erstmal nur 6,5 Punkte geben, bis ich das Album für mich verstanden habe. Wen die oben genannte Kombination nicht abschreckt, der sollte definitiv ein Ohr riskieren. Denn schlecht ist das, was die sechs Finnen hier abliefern beileibe nicht.

Haken - Restoration (EP)

6 von 10 Punkten
Puh, jetzt wird es schwer. Haken sind ja sowas wie die neuen Lieblinge und Shootingstars der Prog Szene. Und ich liebe ihre ersten beiden Alben. Das was dann allerdings im letzten Jahr mit dem Album "The Mountain" und der EP jetzt folgte, lässt mich allerdings deutlich kälter. Die Jungs gehen deutlich härter zu Werke, aber auch....puh...zu jazzig für meinen Geschmack. Zu viele Breaks, zu wenig Melodien die in's Ohr gehen, zu viel Stückwerk, garniert mit Soundexperimenten, die leider des öfteren einen eher fragenden Gesichtsausdruck als ein Lächeln auf meinem Gesicht hinterlassen. Zumal ich das, was die Band jetzt macht, leider auch schon in deutlich besser gehört habe, um nur mal den Namen "Sieges Even" in den Raum zu werfen. Mal schauen was als nächstes passiert, aber ich denke nicht, dass ich diese EP in 5 Jahren noch oft hören werde.

Iced Earth - Plagues Of Babylon

7 von 10 Punkten
Business as usual im Hause Iced Earth. Stu Block muss leider noch immer so singen wie sein Vorgänger Matt Barlow, was er zwar hervorragend macht, was ihm aber auch viel seiner eigenen Identität raubt. John Schaffer rifft sich wie gewohnt, wenn auch vielleicht etwas seltener und langsamer galoppierend durch die Songs. Das Songwriting ist solide, allerdings fehlen Hits wie "Watching Over Me", "Pure Evil" oder "Damien". Bester Song des Albums ist dann auch bezeichnenderweise eine Coverversion des Country-Klassikers "Highwayman", für welche man sich die Dienste von Russel Allen (Symphony X) und Michael Poulsen (Volbeat) sichern konnte. Unter dem Strich ein gutklassiges Power Metal Album, was beim Langzeittest im Mittelfeld der Band-Diskographie landen wird.

Insomnium - Shadows Of The Dying Sun

8 von 10 Punkten
Melodischer Death Metal aus finnischer Manufaktur steht bei mir, vor allem seit ich die göttlichen Omnium Gatherum für mich entdeckt habe, sehr hoch im Kurs. Anders als bei seinem schwedischen Artgenossen, zeichnet sich der finnische Melo Death durch eine noch dichtere, oft sehr melancholische Atmosphäre aus, und setzt weniger auf technische Kabinettstückchen und Harmony Leads. Dies Atmosphäre ist es auch, welche bereits das letzte Album der Band "One For Sorrow" aus dem Jahr 2011 zu etwas besonderem für mich gemacht haben ("Only One Who Waits"!!!). Und auch auf dem aktuellen Album findet man solche Momente en masse. "Shadows Of The Dying Sun" ist nicht alleine wegen des Titels ein perfektes Herbst-Album, voller Melancholie, emotionaler Kälte, ab und an ein ganz paar warmen, musikalischen Sonnenstrahlen und hat in "Ephemeral" sogar einen veritablen Hit vorzuweisen. Definitiv ein Album, welches mich noch lange Jahre immer wieder begleiten wird.

IQ - The Road Of Bones

8,5 von 10 Punkten
Was Haken versaut haben, machen IQ hier absolut richtig. Also....natürlich immer auf meinen persönlichen Geschmack abgestimmt. Als eine der stilprägenden Bands (neben Marillion) des britischen Neo Progs auch nach Jahrzehnten noch aktiv, sind sie sich, anders als besagte Marillion, im Bezug auf den Sound und die musikalische Ausrichtung immer treu geblieben, ohne sich dabei vollkommen vor neuen Entwicklungen zu verschließen. "The Road Of Bones" ist hörbar an seinen Vorgänger "Frequency" angelehnt und wartet mit einer ziemlich düsteren Atmosphäre und Stimmung auf. Allerdings werden bei aller Komplexität und Düsternis in den Texten auch niemals die großen, episch-elegischen Melodien und Synthieflächen vergessen, welche den Neo Prog in den 80ern des vorigen Jahrhunderts so geprägt haben. Und eben jene Melodien und Arrangments sind es, die mich hier doch deutlich mehr ansprechen und berühren, als es Haken zur Zeit schaffen. "The Road Of Bones" ist sicherlich kein Album für Zwischendurch oder jeden Tag, aber wenn man Zeit, Ruhe und Kopfhörer hat, gibt es in diesem Jahr kaum etwas besseres.

Iron Savior - Rise Of The Hero

7,5 von 10 Punkten
Handwerklich sehr solider Power Metal aus norddeutscher Manufaktur. Klar wird hier nach Schema-F vorgegangen und spannende Überraschungen sucht man auch nach dem 50. Hördurchgang vergeblich. Allerdings versprüht das Album irgendwie den Charme der späten 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, in welchen Metal so langsam wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist, und was als eindeutig positiv zu vermerken ist. Gepaart mit einigen starken Songs erhält man so ein gutklassiges Album, welches zwar kein Klassikerpotential besitzt, allerdings auch immer wieder gerne gehört werden wird.

Mr. Big - ...The Stories We Could Tell

6 von 10 Punkten
Die sympathische All-Star Truppe haut auch mal wieder einen raus. Instrumental sind die Herren Gilbert, Sheehan und Torpey natürlich über jeden Zweifel erhaben, und auch der ewig junge Eric Martin weiß mit seiner Stimme nachwievor umzugehen und zu gefallen. Und es ist ihnen auch gelungen, einige wirklich gute Songs ("Gotta love the ride") zu schreiben und für die Nachwelt festzuhalten. Allerdings fehlt es auf Albumlänge dann doch ein wenig an Ideen, um die Mischung aus AOR, Blues Rock und Fusion spannend zu gestalten. Sicherlich ein gutes Album zum Auto fahren im Sommer, aber emotional leider nicht berührend.

Nightingale - Retribution

9,5 von 10 Punkten
Album des Jahres! Punkt. Ohne Wenn und Aber. Dazu noch den Platz 2 in der Wertung "Song des Jahres" mit "Forevermore". Ich meine..Leute...OFF-BEAT-PIANO-SYNTHIE-BREAK!!!!!!!!1111EINSELF Dazu Dans unvergleichliche Stimme, Melodien für Millionen, eine sehr angenehme Mischung aus Härte und Komplexität und gute, weil nicht banale, Texte. So geht progressiv-melodischer Heavy Rock. Ein Album was man bei jeder Jahreszeit und Stimmung hören kann. Für immer. Danke, Dan Swanö! DANKE!!

Opeth - Pale Communion

8,5 von 10 Punkten
Opeth waren mal Metal. Dunkel, hart, progressiv, mit kleinen Einsprengseln von Melodien und 70er Jahre Prog-Orgel-Flair. Das Dunkle, Harte und Metallische ist im Jahr 2014 komplett verschwunden. Zurück bleibt eine Band, deren Musik sich hörbar am Prog Rock Sound der 1970er Jahre orientiert. Verschwunden sind Growls, Doublebass und sägende Stromgitarren. Geblieben oder ausgebaut wurden Melodien, atmosphärische Arrangements und die Präsenz der besagten Prog Orgel. Opeth haben mit "Pale Communion" ein astreines Retro Prog Album abgeliefert, welches nur noch in Nuancen etwas mit dem progressiven Death Metal der Anfangsjahre zu tun hat. Allerdings nehme ich es der Band auch kein bisschen krumm und bin schwre begeistert von der Neuausrichtung, welche sich im Kern schon mit dem letzten wirklichen Metal Album der Band, "Watershed", angedeutet hatte und in dessen Nachfolger "Heritage" zum ersten Mal richtig deutlich zutage getreten ist. Opeth funktionieren aber auch ohne Metal sehr gut, Mikaels klare Gesangsstimme kommt noch besser zur Geltung und mit "Cusp of Eternity" und vor allem "River" hat man zwei absolute Hits im Gepäck.

Sanctuary - The Year The Sun Died

8,5 von 10 Punkten
Und noch ein Comeback. Diesmal wieder ein "richtiges"; eins auf welches die Fans seit Jahrzehnten gewartet haben. Sanctuary haben mit ihren ersten zwei Alben bereits den Status von Legenden erreicht. Allein, das letzte Lebenszeichen der Band, das Album "Into The Mirror Black" datiert aus dem Jahr 1990. Danach trennte man sich, Sänger Warrel Dane, Bassist Jim Sheppard und Gitarrist Jeff Loomis sollten sich einen großen Namen mit der Band Nevermore machen, was den Fans allerdings immer die Hoffnung ließ, irgendwann ein neues Album ihrer Heroen in den Händen halten zu können. Nevermore sind seit 2011 mehr oder weniger Geschichte und aufgelöst, und Warrel Dane und Jim Sheppard widmen sich wieder Sanctuary. Nach gut 4 Jahren in Kreation und Produktion erblickte also das dritte Sanctuary Album "The Year The Sun Died" das Licht selbiger. Und es hat, nicht ganz unerwartet, die Fans gespalten. Die meisten kritisieren das Fehlen von Warrels manischen Schreien und dem hohen Gesang, welcher die ersten beiden Alben so auszeichnete. Darüber hinaus fehlt es vielen auch an der düsteren Atmosphäre der beiden Vorgänger. Ich kann dies verstehen, aber für mich selbst nicht nachvollziehen. "Into The Mirror Black" ist 24 Jahre her. 24 Jahre, in denen die beteiligten Musiker sowohl musikalisch als auch als Menschen gereift sind. Dass man dann nicht einen nahtlosen Übergang udn die Fortsetzung der geschichte an der Stelle, an der man sie damals verlassen hat, erwarten kann, sollte eigentlich klar sein. Aber nun ja, "Fan" ist nicht umsonst die Abkürzung von "Fanatic".
Für mich, der die ersten beiden Alben nicht in der Zeit damals, sondern erst viel später kennengelernt hat, ist "The Year The Sun Died" ein hochklassiges US-Power Metal Album und ganz klar eines der Highlights des Jahres. Es ist ein Album, aus welchem, abgesehen vom Titeltrack, kein Song wirklich heraussticht, und welches am Besten auch auf Albumlänge konsumiert wird. Wer sich darauf einlässt, der wird mit einer interessanten Geschichte, Warrel Danes immer noch einzigartigen und geilen Stimme und vielen instrumentalen Feinheiten und Melodien belohnt. Und der abschließende Titeltrack ist wirklich ganz große Kunst. Well done, boys! And welcome back! I want more!!

Scar Symmetry - The Singularity, Phase 1: Neohumanity

9 von 10 Punkten
Melodischer und progressiver denn je zuvor kommt das neue Album von Scar Symmetry um die Ecke. Als Teil eines auf 3 Alben angelegten Sci-Fi Konzepts weiß es mit grandiosen Melodien, unfassbaren Gitarrensoli und mehr als nur brauchbaren Texten zu gefallen. Das Album ist in allen Richtungen extremer ausgefallen. Extrem poppige Melodien treffen auf noch böseres Grunzen und Blastbeats, komplexe Rhythmen werden immer wieder von göttliche Harmonyleads unterbrochen und die Keys und programmierten Synthies geben dem ganzen einen sehr angemessenen SciFi-Touch. Am Besten nachzuhören bei meinem Song des Jahres 2014, "Limits To Infinity". Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Song mich gleichermaßen dazu animiert die Luftgitarre auszupacken, zu bangen und richtig Bock auf eine Polonaise zu haben. :-D So muss melodischer, progressiv angehauchter Death Metal klingen, wobei der eine oder andere Purist und Death Metal Afficionado hier sicherlich mit der Nase rümpfen wird. Und auch wenn es mit den eher düsteren und folkloristisch inspirierten Alben von Bands der Gründerzeit dieses Genres nichts mehr zu tun hat, so ist es doch meiner Meinung nach eines der besten Ikea-Death-Alben aller Zeiten. Ich erwarte Großartiges von den beiden noch folgenden Teilen der Trilogie.

Threshold - For The Journey

8,5 von 10 Punkten
Nach einem Jahrhundertalbum wie dem Vorgänger "March Of Progress" konnte es für die britischen Prog Metaller eigentlich nur noch bergab gehen. Ist besagtes Album objektiv in die Alltime-Top-10 internationaler Prog Metal Alben einzuordnen, so ist der Nachfolger jetzt "nur" ein sehr starkes Album geworden, welcher mit "Siren Sky" und dem Bonus Track "I wish I could" seine stärksten Momente hat. Insgesamt klingt alles ein wenig rauer, roher und ungeschliffener im Gegensatz zum eher symphonisch ausgerichteten Vorgänger. Trotzdem reden wir hier immer noch über Threshold, was eingängigen Easy-Listening-Prog höchter Qualität bedeutet.

Tuomas Holopainen - The Life And Times Of Scrooge

7,5 von 10 Punkten
Ein schönes, angenehm zu hörendes Orchesteralbum des Nightwish-Vordenkers. Thema, wie der Titel schon vermuten lässt, ist Onkel Dagobert und seine Lebensgeschichte, wie sie Don Bluth ersonnen und gezeichnet hat. Kann man für Zwischendurch mal machen. Tut keinem weh, hat einige sehr feine Melodien und Arrangements am Start, ist aber vollkommen losgelöst von Nightwish zu betrachten.

The Unguided - Fragile Immortality

4 von 10 Punkten
Children-of-Bodom meets Electro-Pop. Alles in allem vom Ansatz her absolut nicht verkehrt, es fehlen allerdings zwingende Melodien, wahnwitzige Instrumentalabfahrten oder Arrangements, um dieses Album wirklich aus der breiten Masse hervorstechen zu lassen und zu etwas besonderem zu machen. Diese Musik würde bei mir in meinem Aufzug, der Warteschleife im Telefon oder beim Staubsaugen laufen.

Vanden Plas - Chronicles Of The Immortals: Netherworld

6 von 10 Punkten
Ich kann mir nicht helfen, seit Vanden Plas sich auf Konzeptalben zu spezalisieren scheinen, werden die Alben immer langweiliger. Handwerklich ist das natürlich noch immer progressive Metal auf allerhöchstem Niveau, aber mir fehlt ein wenig die Seele und vor allem zündende Ideen und Melodien in den Songs. Alles fließt ganz nett ineinander über, aber wirklich starke Songs, welche auch für sich alleine stehen und gut funktionieren können, gibt es leider nur noch selten. Auf diesem Album genau genommen nur einen, nämlich "Godmaker", was etwas wenig ist um mich zu begeistern.

While Heaven Wept - Suspended At Aphelion

7 von 10 Punkten
Ein bisschen mehr von allem. Etwas mehr Pathos, etwas mehr Kitsch, noch mehr Melodien, ein wenig progressivere Songstrukturen und noch mehr elegische Gesänge, noch mehr Epik, noch mehr Doom. Wobei man sich über letzteres sicherlich vortrefflich streiten könnte. Alles in allem ein qualitativ hochwertiges Album. Oder sollte ich eher sagen: "Ein qualitativ hochwertiger Song"? Ich weiß es nicht, so ganz hat sich mir das neue Album der US-Amerikaner noch nicht erschlossen. Es gibt noch zu viele Momente musikalischer Banalität, welche sich mit den zugegebenermaßen ebenfalls zahlreich vorhandenen Momenten emotionales Ergriffenheit abwechseln, als dass ich behaupten könnte, das Album emotional verstanden zu haben. Handwerklich ist hier natürlich wie immer alles vom Feinsten und wenn man in angemessener Stimmung ist, dürfte das Album auch durchaus öfter seinen Weg in den Player finden.

Witherscape - The New Tomorrow (EP)

ohne Wertung
Ohne Wertung, da es sich lediglich um einen neuen Song, ein paar Coverversionen und eine, zugegeben sehr geniale, Akustikversion von "Dead For A Day" handelt. Insgesamt alles sehr gelungen, stimmig und eine schöne Ergänzung zum letztjährigen Album "The Inheritance". Ich freue mich jedenfalls auf 2015 und das neue Album! :)

tl;dr

Top 5 Alben 2014

  1. Nightingale - Retribution
  2. Dragonforce - Maximum Overload
  3. Scar Symmetry - The Singularity, Phase 1: Neohumanity
  4. Sanctuary - The Year The Sun Died
  5. Opeth - Pale Communion

Top 5 Songs 2014

  1. Scar Symmetry - Limits To Infinity
  2. Nightingale - Forevermore
  3. Dragonforce - Defenders
  4. Sanctuary - The Year The Sun Died
  5. Opeth - River

Jan

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